Malermeister. Marmorino -spezialist. Farrow & Ball Markenbotschafter.

Mein Interview mit der Malerzeitschrift Mappe.

Malermeister, Markenbotschafter. Klingt nach einer steilen Karriere, aber so spektakulär ist es nun auch wieder nicht. Doch genug, um von der Mappe zu einem Interview über meine sehr, sehr inspirierende Arbeit als Maler und technischer Berater für Farrow & Ball gebeten zu werden.

Die Mappe? Welche Mappe?
Die Mappe ist ein Fachmagazin für Maler. Es erscheint einmal im Monat und informiert über alles, was für meinen Berufsstand interessant sein könnte. Spezielle Techniken, Oberflächen, Trends, Ausbildung, Maler des Jahres etc. Beim Klick auf das Bild oder den Link ist mein Interview zu lesen! 

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Warum wurde gerade ich, Malermeister Rainer Becker aus Düsseldorf, interviewt?
Das möchte ich hier gerne berichten. Ich glaube mal, es liegt an meinem Neugier und meiner Entdeckerlust. An meiner Vita.

Maler, bleib bei deinen Pinseln. Von wegen!
Ich wollte alles anders machen als mein Vater! Das war meine Vision, als die Übernahme unseres Malerbetriebs in der fünften Generation immer näher rückte. Tapezieren, Streichen, Fassaden beschichten, Fenster lackieren. Nein, das war nicht das, was ich als junger Malermeister die nächsten zwanzig, dreißig Jahre machen wollte. Aber was dann?

Schon damals übte alles, was aus Italien, Frankreich und Marokko kam, eine große Faszination auf mich aus. Mit einer Fachhochschulreife für Gestaltung und einem nicht ganz abgeschlossenen Studium der Innenarchitektur in der Tasche wollte ich als Maler andere Wege beschreiten.

Handwerk, das nach Handwerk aussieht!

Auf nach Italien!
Wer hat diese Decken und Wände gemacht? habe ich mich immer gefragt, wenn ich die Fotos in den Wohnzeitschriften aus Italien und Frankreich studiert habe. Oberflächen, die aus Kalk, Marmormehlen und Pigmenten hergestellt wurden. Wie imitiere ich Naturstein? Wie erstellt man eine Fläche, die metallisch blitzt wie Kupfer und Bronze? Antworten auf meine Fragen fand ich in Italien, genauer gesagt: in Venedig.

Meine erste Arbeitsstelle als Maler bot auch direkt das, was ich unbedingt lernen wollte: Der Palazzo Grassi in Venedig wurde umgebaut. Hier erlebte ich drei Monate, die ich nie vergessen werde. Anstatt mit Raufaser und Dispersionsfarbe, arbeitete ich nun mit Kalk und Marmormehlen, die direkt vor den Toren von Venedig in einer wunderbaren Kalkmühle hergestellt wurden. Diese Aufenthalte wiederholte ich über die nächsten Jahre immer und immer wieder.

Kalk und Marmormehle statt Raufaser und Dispersionsfarbe
Die Arbeit war traumhaft. So etwas wollte ich auch Deutschland realisieren! Es dauerte nicht lange, und wir hatten in Düsseldorf eine Kundin, die genau das haben wollte: Das Modeatelier Uschi Sander wurde mit Marmorino in feinen Creme- und Sandtönen gestaltet. Eine rote Küche, die Decke und Wände in Stucco Lustro. Blutrot und hochglänzend. Das war 1995. Zu diesem Zeitpunkt gab es niemanden der diese alten historischen Techniken in Deutschland beherrschte.

Edle Wandgestaltung made by Rainer Becker

So wurde ich als Malermeister Experte für italienische Finishes und Materialien
Mein erster Auftrag und dann direkt fast 500 qm Oberflächen aus Italien in Deutschland. Ich war und bin fasziniert von dieser Möglichkeit, als Malermeister solche Oberflächen herzustellen.

Architekturzeitschriften und auch die Fachpresse wurde darauf aufmerksam und berichtete 1995 über dieses Projekt. Die Überschrift des Artikels war „Italienische Impressionen„. Dann ging es Schlag auf Schlag. Wir bekamen einen Auftrag nach dem anderen und wurden hoch spezialisiert. Der Traum, alles anders zu machen, war Wirklichkeit geworden! Wir zogen mit 15 Spezialisten durch ganz Europa und gestalteten ein öffentliches oder privates Gebäude nach dem anderen. Von Sylt nach Mallorca bis nach Saudi Arabien!


Unser Werk! Das Festspielhaus in Baden-Baden. ©Festspielhaus Baden-Baden.

Seinerzeit rief der berühmte Architekt Professor Holzbauer (Er war spezialisiert auf Konzerthäuser und liebte alles, was aus Italien kam.) bei einigen Herstellern im Veneto an und fragte nach der deutschen Firma, die in den letzten Jahren am meisten Marmorino bestellt hatte. Das waren wir. So kamen wir an eines unserer faszinierendsten Projekte: Den Neubau des Festspielhauses in Baden-Baden. 4000 Quadratmeter Marmorino sollten dort an die Wände kommen. 600 Quadratmeter an einem Stück! Wir haben das mit 15 Mitarbeitern ohne einen Ansatz realisiert.

Die grösste Aufgabe aber war es einen freistehenden Betonblock an dem eine freischwebende Treppe hing in einen elliptischen Marmorblock zu verwandeln. Portopro sollte es sein. Tiefschwarz mit goldenen Adern.

Während der Bauphase haben die Architekten den interessierten Besuchern immer berichtet “ Den Marmorblock an einem Stück in das Festspielhaus zu bringen sei eine grosse Herausforderung gewesen“.

Nun: Das Ganze haben wir nur in einer „Marmorimitation“ gemalt.


Vom Spezialisten für italienische Materialien zum Fan für britisches Understatement
Der Zeitgeist und die Ansprüche an den Look haben sich geändert. Es sind immer noch besondere Oberflächen gewünscht. Aber der Trend geht eher in Richtung homogener, schöner Farbflächen. Wie gut, dass ich damals vor gut zehn Jahren auf der Maison et Objects in Paris zum ersten Mal eine Farbtonkarte von Farrow & Ball in der Hand hielt! Was mir damals auffiel, waren diese wunderbar unspektakulären feinen, verschleierten Töne. Alle 132 für sich kraftvoll und aussagekräftig genug, um alleine zu wirken. In der Gesamtheit betrachtet ein wunderschönes Ensemble.

Als 2014 mitten in einer 1a-Lage von Düsseldorf ein Farrow & Ball Showroom aufmachte, war ich unter den ersten neugierigen Kunden. Wie kann man mitten in der Stadt neben Gucci und Chanel Wandfarbe verkaufen? Das kann doch nicht gutgehen! dachte ich. Ich wurde eines besseren belehrt.


Edle Wandgestaltung made in the UK: die matten Finishes von Farrow & Ball


Vom Fan zum Farrow & Ball Experten
Vor gut drei Jahren fragte mich Farrow & Ball, ob ich meine Leidenschaft für das Produkt und meine Expertise auch an meine Malerkollegen weitergeben möchte. Das mache ich heute sehr gerne. Vor allem deshalb, weil wir mit diesen so liebevoll hergestellten Farbe endlich mal wieder gutes Handwerk ausführen können!

Ich schätze das Spiel der verschiedenen Finishes und Elemente untereinander. Decken, Wände, Holzwerk, Heizkörper – alles funktioniert miteinander. Feine Nuancierungen bei den Glanzgraden machen das Ganze sehr raffiniert. Darüber berichte ich als Markenbotschafter für Farrow & Ball in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

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